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Dienstag, 11. Februar 2014

2014-02-07 Sieben (Stolper-)Steine erinnern an sieben jüdische Schicksale

Sieben Steine erinnern an sieben jüdische Schicksale

Die Geschichte von Max, Jenny, Erich, Henny, Ilse, Werner und Grete Jacob aus Lenhausen darf nicht vergessen werden

Von Gunnar Steinbach

Lenhausen. In der Fetterbachstraße in Lenhausen, dort, wo einst Wohnhaus und die Metzgerei Jacob standen, verlegte gestern der Künstler Gunter Demnig sieben Stolpersteine zum Gedenken an die jüdische Familie. Vier Familienmitglieder wurden von den Nationalsozialisten ermordet, zwei konnten fliehen, der jüngste Sohn Werner Jacob überlebte in acht verschiedenen Konzentrationslagern.

Bürgermeister Dietmar Heß hob hervor, dass es uns allen gut tue, vor Ort an die Verbrechen erinnert zu werden. Da die Dimension des Geschehens unsere Vorstellungskraft übersteige, sei es gut, wenn aus der Anonymität und der Masse, in der keine Individuen mehr wahrgenommen würden, an Menschen und ihre Schicksale erinnert werde. „Damit sicher ist, dass sich das dunkelste Kapitel in unserer Geschichte nicht wiederholt, brauchen wir die Erinnerung.“

Während dann Gunter Demnig die Stolpersteine verlegte, verlas Martin Vollmert von Doris Kennemann verfasste Texte zur Leidensgeschichte der Familie Jacob.
Vater Meier Max Jacob, geboren am 20.Februar 1885, kam 1910 als Metzgergeselle von Freienohl nach Lenhausen, nachdem er geheiratet hatte. Er war der erste Lenhauser, der am 1. August 1914 als Soldat am ersten Weltkrieg teilnahm und wurde für Tapferkeit vor dem Feind mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet.

Meier Max Jacob war Mitglied im Lenhauser Schützenverein, sogar Offizier. Die Familie Jacob wohnte dort, wo heute das Feuerwehrhaus steht. Nach dem Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst von Rath am 7. November 1938 in Paris, das den Nationalsozialisten als Vorwand für die Reichspogromnacht diente, wurden Meier Max Jacob und sein Sohn Werner am 11. November in sogenannte Schutzhaft genommen und in Einzelzellen des Amtsgerichts Grevenbrück inhaftiert. Meier Max Jacob für drei Wochen, sein Sohn sechs Wochen lang, weil er vergessen worden war. 1941/42 begannen die Transporte deutscher Juden in den Osten. Meier Max Jacob, seine Frau Jenny und Tochter Grete wurden am 27. April 1942 verhaftet und am nächsten Morgen nach Dortmund zur Deportation abtransportiert. Mit anderen sauerländischen Juden wurden sie in das KZ und Arbeitslager Zamose (Samosc) bei Lublin in Polen verbracht, wo Meier Max Jacob im November 1942 starb.

Mutter Jenny Jacob war eine geborene Grüneberg, geboren am 26. März 1883 in Allendorf. Ihre Mutter, geborene Frank, stammte aus Lenhausen. Am 28. April 1942 schrieb sie vor ihrer Deportation eine letzte Postkarte an ihren Sohn Werner in Lenhausen. Sie starb kurz nach der Ankunft im KZ im Mai 1942.
 

Erich Jakob war Schützenkönig


Sohn Erich Jakob wurde am 20. Mai 1911 in Lenhausen geboren. Er war Mitglied im DJK-Sportverein und spielte in der zweiten Fußballmannschaft. Auch er war Mitglied des Schützenvereins und 1931/32 Schützenkönig. Von Beruf war er Metzger. Am 30. Juni 1937 wurde er wegen angeblich „versuchter Rassenschande“ verhaftet und saß zunächst neun Monate im Gefängnis. Das angeblich beteiligte Mädchen wurde unter Schlägen zu einer Aussage gezwungen, widerrief sie aber anschließend. Trotzdem wurde Erich Jakob am 8. April 1938 zu einer Zuchthausstrafe von 15 Monaten verurteilt. Bei seiner Entlassung führte ihn die Gestapo ab und lieferte ihn in das KZ Buchenwald ein. Dort soll er laut offizieller Todesmeldung an einer Lungenentzündung gestorben sein. Sein Bruder Werner erfuhr jedoch von Mithäftlingen, dass Erich am 9. November willkürlich erschossen wurde aus Rache für das angebliche Attentat am 8. November auf Hitler.
Flucht nach Südfrankreich
Henny Jakob wurde am 30. März 1913 in Lenhausen geboren. Sie heiratete den Juden Paul Vogelsang aus Dortmund. Henny emigrierte 1937 nach Belgien und flüchtete später nach Südfrankreich. Dort wurde sie interniert. Ihr Mann wurde 1943 ausgeliefert, Henny nicht, weil sie schwanger war. Paul Vogelsang starb im KZ Auschwitz. Henny Jacob-Vogelsang wanderte 1947 mit ihrer Tochter in die USA aus.

Ilse Jacob wurde am 16. Januar 1915 in Lenhausen geboren. Auch sie emigrierte und zwar 1939 nach England. Ihr Versuch, gemeinsam mit ihrer Schwester Henny den Bruder Erich für 1000 britische Pfund aus dem KZ auszulösen, scheiterte. Nach dem zweiten Weltkrieg verzog sie zunächst nach Luxemburg und heiratete dort. 1954 wanderte sie wie ihre Schwester mit Ehemann und Tochter in die USA aus.

Werner Jacob wurde am 29. Mai 1920 in Lenhausen geboren. Auch er war wie sein Bruder Mitglied im DJK-Sportverein. Nach dem Besuch der Volksschule in Lenhausen ging er bei seinem Vater in die Metzgerlehre und legte 1937 die Gesellenprüfung ab. Er heiratete in erster Ehe am 8. Dezember 1942 die aus einer jüdischen Familie stammende Irmgard Philipp. Beide lebten in Meschede, von wo sie am 26. Februar 1943 mit 3200 Männern, Frauen und Kindern nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Irmgard wurde am 3.März 1943 bei der Ankunft im Vernichtungslager Birkenau mit ihren Eltern als „arbeitsunfähig“ selektiert und in der Gaskammer ermordet. Werner Jacob durchlitt und überlebte bis Kriegsende sieben weitere Konzentrationslager in Monowitz, Jaschowno, Auschwitz, Sachsenhausen, Ohrdruf, Crawinkel und Buchenwald. Am 1. April 1945 gelang ihm mit einer Gruppe von 150 anderen Häftlingen die Flucht beim Transport zum KZ Dachau. 34 von ihnen wurden dabei erschossen. Am 23. April kehrte er nach Lenhausen zurück. Zunächst war er einige Jahre als Metzger tätig, dann arbeitete er in der Lenhauser Gießerei Biggemann und im Eisenwerk Plettenberg-Ohle. Am 28. Februar 1952 heiratete er in zweiter Ehe die katholische Helga Rücker aus Dortmund. Dieser Ehe entstammen drei Kinder. Werner Jacob starb am 9. November 1992
Das letzte Lebenszeichen
Grete Jacob, das jüngste Kind der Familie, wurde am 1. November 1921 in Lenhausen geboren. Nach ihrem Abtransport in das KZ Zamosa schrieb sie Silvester 1942 noch einen Brief an ihren Bruder Werner. Das war ihr letztes Lebenszeichnen.


 

 Kommentar: Gemeinderat muss Bekenntnis ablegen

Von Peter Plugge

In Finnentrop übt man sich in einem absurden Spagat, der nicht durchgehalten werde kann und darf.
In Lenhausen verlegt man Stolpersteine, um den Mitgliedern der von den Nazis verfolgten, drangsalierten und getöteten Familie Jacob zu gedenken. Der Bürgermeister spricht ein Grußwort.
In Bamenohl sind zwei Straßen nach den Dichterinnen Josefa Berens und Maria Kahle benannt, die in ihrem Schaffen genau die kranke Ideologie und ihre führenden Vertreter verherrlicht haben, die verantwortlich für die Gräuel waren, die den Mitgliedern der Familie Jacob, allen Mitbürgern jüdischen Glaubens sowie Kommunisten, Gewerkschaftern, Mitgliedern der SPD, aber auch des Zentrums sowie Christen, die sich gegen den Wahnsinn der Nazis stellten, widerfahren sind. Kahle und Berens werden mit den Straßenbenennungen ebenso geehrt wie die Mitglieder der Familie Jacob mit den Stolpersteinen. Das kann nicht sein.
Der Antrag auf Umbenennung der Straßen in Bamenohl wurde vom Gemeinderat in die Hände und Verantwortung der dort lebenden Anwohner gelegt. Ein in Finnentrop wohl einmaliger plebiszitärer Akt, der prompt daneben ging. Die meisten Anwohner wollen ihre gewohnten Straßennamen behalten. Angesichts der mit einer Umbenennung verbundenen Unannehmlichkeiten vielleicht sogar ein wenig verständlich.
Genau deshalb war es aber falsch von der Politik, sich dem Votum der Anlieger zu unterwerfen. Bei der Frage der Umbenennung der beiden Straßen geht es nicht um deren Befindlichkeiten, sondern darum, die Geisteshaltung der Gemeinde und ihren Umgang mit der Geschichte auch nach außen darzustellen. Will man die Propagandisten des Nazi-Regimes ehren oder ihre Opfer? Beides geht nicht. Ein sowohl als auch kann es ebenso wenig geben wie eine Diskussion über die „Schwere der Schuld“ der beiden Dichterinnen.
Das haben die Verantwortlichen von Rat und Verwaltung offensichtlich falsch eingeschätzt. Sie müssen sich jetzt ihrer Verantwortung für die Gemeinde stellen und eine klares Bekenntnis ablegen. Das Renommee der Gemeinde Finnentrop hat bereits gelitten.

(Quelle WR vom 07.02.2014)

SK vom 09.02.2014:


2014-02-06 Mehr Stauvolumen für das Oberbecken

Mehr Stauvolumen für das Oberbecken

Betonmauer statt Zaun ermöglicht Erhöhung der Wassermenge um 70 000 Kubikmeter. Mehr Strom

Von Peter Plugge

Rönkhausen. Der Hagener Energiekonzern Mark E als Betreiber des Pumpspeicherkraftwerks in Rönkhausen will dieses effektiver und wirtschaftlicher machen.
Da am Oberbecken auf dem Dahlberg ohnehin die bituminöse Abdichtung saniert werden muss, soll in diesem Zuge das für die Stromproduktion nutzbare Stauvolumen des Oberbeckens von derzeit 1,1 Millionen Kubikmeter (cbm) um 70 000 cbm auf 1,17 Millionen cbm erhöht werden. Das hätte zur Folge, dass die beiden Pumpenturbinen, die die Generatoren antreiben, mit einer Füllung des Oberbeckens knapp eine halbe Stunde länger laufen und so 735 statt derzeit 690 Megawattstunden (MWh) Strom produzieren könnten.
Betonmauer statt Gitterzaun Erreicht werden soll dass durch den Bau einer maximal 1,20 Meter hohen und 20 Zentimeter dicken Betonmauer als Ersatz für den bisherigen Drahtgitterzaun, der das Oberbecken umgibt. Es handelt sich dabei laut Uwe Reuter, Leiter der Kommunikation bei Enervie, wozu Mark E gehört, um keine Staumauer, sondern eher um eine Art Spritzschutz. Das Oberbecken hat heute bereits die Staukapazität, um weitere 70 000 cbm Wasser aufnehmen zu können. Allerdings wird der letzte Meter Stauraum nicht genutzt, um bei Wind ein Überschwappen von Wellen auf und über den Rundweg hinweg, der nur über eine zehn Zentimeter hohe Asphaltwulst als Schutz verfügt, zu verhindern.
Ersetzt man den jetzigen Zaun durch die geplante Mauer, kann man das Oberbecken 90 Zentimeter höher aufstauen, was das Plus von 70 000 cbm Wasser ausmacht. Außerdem soll durch den Wegfall der zahlreichen Metallpfosten des Zauns, die die Oberflächenabdichtung des Damms durchdringen, eine bessere Abdichtung erreicht werden. Am Damm des Unterbeckens, dessen Stauziel um 50 Zentimeter angehoben werden soll, ist ebenfalls eine 1,20 Meter hohe Mauer als Wellenschutz geplant.
Realisierung erst im Jahr 2016 Diese Maßnahmen bedürfen eines umfangreichen Genehmigungsverfahrens, das bei der Bezirksregierung in Arnsberg angesiedelt ist, so dass mit einer Realisierung erst im Sommer 2016 zu rechnen ist. Währen der Bauphase muss der beliebte Spazierweg rund um das Oberbecken aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, erklärt Uwe Reuter.
Die Gemeinde Finnentrop, deren Umwelt-, Bau- und Planungsausschuss sich heute im Rahmen einer Bauvoranfrage von Enervie mit der Thematik befassen wird, ist grundsätzlich mit diesen Plänen einverstanden, gibt aber zu bedenken, dass kleine Kinder und Rollstuhlfahrer nicht in der Lage sind, über eine 1,20 Meter hohe Mauer zu schauen. Außerdem könne eine 20 Zentimeter breite Mauerkrone zum Klettern einladen und weitere Sicherheitsanlagen nötig machen.

(Quelle WR vom 06.02.2014)


2014-02-05 Thekla Carola Wied wird 70 Jahre alt

Thekla Carola Wied wird 70 Jahre alt

Schauspielerin feierte Erfolge in Serie

München. Sie feierte Erfolge in Serie. In den 80ern bekannte Thekla Carola Wied: „Ich heirate eine Familie“. Der Titel der ZDF-Serie war Programm, sie wurde ein Erfolg beim Publikum, und obendrein hagelte es Fernsehpreise. Kein Wunder, das Thema – eine geschiedene Frau heiratet erneut – traf damals den Nerv der Zeit. Überdies hatten die Folgen nicht nur Herz, sondern auch Witz.
Einen weiteren TV-Hit landete Thekla Carola Wied mit der Serie „Wie gut, dass es Maria gibt“, ebenfalls im ZDF. Wied verkörperte eine moderne Nonne, die auch im Hinblick auf die Kirche kein Blatt vor den Mund nahm. Die Serie fand ein Echo in dem ARD-Dauerbrenner „Um Himmels Willen“, und die Rolle machte Thekla Carola Wied endgültig zur Volksschauspielerin im besten Sinn.
Sie verkörpert zumeist die resolute Frau von nebenan, die sich mit Charme, Witz und klaren Ansichten durchsetzt. Ihre unsentimentale Frauen-Power kam allerdings niemals in der lila Latzhose daher. Vielmehr nutzte Thekla Carola Wied stets die Spielräume, die auch die bürgerlichen Konventionen bieten.
Geboren wurde die Schauspielerin im heute polnischen Breslau als Thekla Wiedmann. Geprägt aber haben die Tochter eines Lateinlehrers die Jugendjahre in Berlin. Nach dem Abitur startete sie ihre Schauspiel-Karriere in Essen, zunächst an der Folkwang-Schule, dann am Theater.
Vor der Kamera macht die Wahl-Münchnerin immer noch eine gute Figur – wie am Freitag in der ARD-Komödie „Vier Drillinge sind einer zu viel“ zu bestaunen.
Heute wird sie 70 Jahre alt. jov

(Quelle WR vom 05.02.2014)

2014-02-05 Pierre Brice, Deutschland Lieblingsindianer, wird am Donnerstag (06.02.2014) 85 Jahre alt.

 

Der ewige Winnetou

Pierre Brice, Deutschland Lieblingsindianer, wird am Donnerstag 85 Jahre alt.

„Die Rolle hat meine Karriere zerstört“, sagte er einmal

Von Andreas Böhme

. Voll ist das Haar, aber kürzer als früher und ergraut. Und ein paar Falten ziehen sich durch das markante Gesicht. Trotzdem erkennt man ihn auf Anhieb wieder. Auch weil man ihn ja so oft gesehen hat. Auf dem Rücken seines Pferdes „Iltschi“, die „Silberbüchse“ im Arm, seinen Blutsbruder „Old Shatterhand“ an seiner Seite. Über 70 Filme hat Pierre Brice gemacht, die meisten Deutschen aber bringen ihn immer noch nur mit einer Rolle in Verbindung. „Winnetou“. Lange hat der Franzose damit gehadert, mittlerweile aber hat sich der Lieblingsindianer der Deutschen damit abgefunden. Am Donnerstag feiert Brice seinen 85. Geburtstag.
Entdeckt wird er 1962 vom deutschen Filmproduzenten Horst Wendlandt auf der Dachterrasse des Berliner „Interconti“. Da ist Pierre Louis Baron Le Bris, wie er mit vollem Namen heißt, schon Elitesoldat in Indochina und Algerien gewesen, hat – weitgehend erfolglos – Schreibmaschinen und Obst verkauft und sich als Model und Schauspieler in diversen Sandalenfilmen versucht. Unter Wendlandt soll er die Sandalen gegen Mokassins tauschen und einen Apachenhäuptling spielen.
Doch Brice zögert. „Eine Indianerrolle – das sagte mir nicht besonders zu. Und Karl May war mir überhaupt kein Begriff.“ Erst nach einem langen Blick ins Drehbuch und gutem Zureden seiner Managerin sagt der Spross einer alten Junkerfamilie zu. Für ihn ist es eine Rolle. Noch dazu eine mit wenig Text. Und wenn der edle Indianer Winnetou doch mal was sagen darf, sind es meist kurze Sätze in der dritten Person: „Winnetous Herz ist schwer.“ Für viele Deutsche aber gibt er ei­nem ihrer damals beliebtesten Roman-Helden ein Gesicht, haucht ihm mit einer Mixtur aus exotischer Folklore und erotischer Anziehungskraft Leben ein. Vielleicht erklärt das den Erfolg der Winnetou-Filme.
Insgesamt 35 Millionen Menschen strömen in den 1960ern in die Kinos, die Titelmusik von Martin Böttcher tönt aus jedem Radio, und der italienische Schauspieler Rik Battaglia wird zum meistgehassten Mann der deutschen Jugend, weil er in „Winnetou III“ den Indianer mit dem traurig-sehnsuchtsvollen Blick tötet. Doch das ist nicht das Ende. So groß sind die Proteste über den Tod des Apachen, dass die Filmemacher ihn wieder auferstehen und durch vier weitere Filme reiten lassen, bevor die Reihe eingestellt wird.
Da ist Brices Schicksal längst besiegelt, ist er als „Rothaut abgestempelt“, kaum noch gefragt für andere gute Rollen. „Winnetou hat meine Karriere zerstört“, hat er sich mal geärgert. Heute sieht Brice das anders. Zwei Millionen D-Mark hat er 1995 für notleidende Kinder in Bosnien eingesammelt. „Das war nur möglich, weil das Publikum Vertrauen in die Integrität Winnetous hatte. Wie könnte ich da sagen, dass die Rolle ein Fluch war?!“
Feier nur in kleinem Kreis Ihn selbst hat sein Alter Ego ja auch lange gut durchs Leben gebracht. Noch zweimal wirft sich Brice in seinen Fransenanzug. Er gibt den Winnetou 1976 in Elspe, später in Bad Segeberg. 1991 erst hängt er das Indianerkostüm endgültig an den Nagel und zieht sich mit seiner deutschen Frau Hella auf sein Jagdschloss bei Paris zurück.
Doch das will er schon seit einiger Zeit verlassen, will nach Bayern ziehen: „Deutschland ist für mich eine zweite Heimat. Ich habe in Frankreich keine Familie mehr, die Familie meiner Frau kommt von dort – und sie ist zu meiner Familie geworden.“ Trotzdem ist der Umzug schwieriger als erwartet. Natürlich gibt es Interessenten für das Anwesen aber „ich möchte sicher sein, dass wir unser Haus in gute Hände übergeben, schließlich haben wir hier über 30 Jahre gelebt“, sagt Brice. Seinen Geburtstag wird er in kleiner Runde feiern. „Ganz ruhig.“ Hat aber keine gesundheitlichen Gründe. Gut, der Rücken zwickt ein wenig, die Knie auch. „Doch Winnetous Herz schlägt noch wie bei einem jungen Krieger.“ Aber so wie der alte Häuptling mag er auch kein Aufheben um seine Person. „Ich liebe es nicht“, behauptet Brice, „im Mittelpunkt zu stehen.“

(Quelle WR vom 05.02.2014)

2014-02-05 91 Fleecejacken für die Jugendfeuerwehr von der Sparkasse Finnentrop

Spende der Sparkasse an Jugendwehr

Finnentrop. 91 Fleecefreizeitjacken überreichte jetzt Frank Nennstiel von der Sparkasse Finnentrop an die Jugendfeuerwehr der Gemeinde Finnentrop. „Das ist noch ein Geschenk zum 25 Jährigen Bestehen der Jugendwehr im vergangenen Jahr“, so Nennstiel, „Wir wissen, dass die Nachwuchsgewinnung wichtig, aber immer schwieriger ist.“ Schon bei der Entstehung der Jugendwehr half die Sparkasse mit. Der Erlös eines Benefizkonzertes 1988 ging an die damals neu gegründete Jugendwehr. 1996 kam die Hüpfburg hinzu, aus deren Vermietung der Feuerwehrnachwuchs seine Kasse füllen kann. „Wir freuen uns sehr über diese Jacken für alle Kinder und Betreuer“, so der Jugendwart Julian Hageböck. „Besonders bei Zeltlagern, bei Fahrten oder auch in den Pausen bei Jugendfeuerwehrtagen können wir diese gut gebrauchen.“ Foto:bsg

(Quelle WR vom 05.02.2014)


SK vom 09.02.2014:

2014-02-05 Neuer Aldi in Bamenohl

Rückzug vom Rückzug: Neuer Aldi in Bamenohl

Diskussionen um „Kleinod“ Jupp-Schöttler-Jugendherberge. Krach im Gästehaus nervt die Nachbarn

Von Barbara Sander-Graetz

Bamenohl. „Bei der Verlagerung des Aldi-Marktes in Bamenohl gibt es einen Rückzug vom Rückzug“, verkündete Bürgermeister Dietmar Heß bei der Einwohnerversammlung am Montagabend in der voll besetzten Schützenhalle.
„Nachdem zuerst der Aldi-Markt auf das Gelände des Kaufparks anstelle des Getränkemarktes gehen wollte, wurden diese Pläne zunächst doch wieder verworfen. Aber nachdem wir nun den Bebauungsplan wieder aufheben wollten, kam es zu einer überraschenden Wende. Die beiden Märkte haben sich geeinigt und der neue Aldi wird jetzt doch gebaut.“ Erste Skizzen, wie das Gelände dann aussehen wird, konnten ebenfalls schon gezeigt werden.
Das war nur eines von vielen Themen, die auf der Tagesordnung des Abends standen. Zunächst informierte Kriminalhauptkommissar Michael Klein über vorbeugenden Einbruchschutz, dann ging Bürgermeister Heß auf die Gemeindefinanzen, den demographischen Wandel und das geplante neue Feuerwehrgerätehaus mit der Rettungswache ein. Faurecia und die Trinkwasseraufbereitungsanlage in Müllen waren weitere Themen.
Unmut bei den Nachbarn Als Diskussionspunkt stellte sich die Jupp-Schöttler-Jugendherberge dar. „Dieses Kleinod sollte dringend erhalten bleiben“, so Heß, „aber es gibt trotz des Fördervereins zu wenig Engagement im Ort.“ Da der Förderverein wirtschaftlich arbeiten muss, um den Unterhalt des Hauses zu sichern, wird das gegenüber liegende Gästehaus regelmäßig vermietet. Das sorgt für Unmut bei den direkten Nachbarn. Anwohner Rolf Feldmann meldete sich zu Wort und beklagte die Lärmbelästigung durch die oftmals jugendlichen Gäste. „Da wird gegrölt, getrunken und gefeiert. Der Lärm ist manchmal unerträglich.“
Ordnungsamt, Förderverein und auch die Polizei werden gerufen, doch eine Besserung der Zustände sei nicht in Sicht. Heß wies darauf hin, dass das Gästehaus die einzige Einnahmequelle des Vereins sein. „Wir haben keine Patentlösung für das Problem, doch wenn alle Bamenohler dem Förderverein beitreten würden, stände der Verein finanziell ganz anders da und müsste vielleicht das Gästehaus nicht mehr vermieten.“
Umstrittene Umbenennung Nicht fehlen durfte das umstrittene Thema Umbenennung der Josefa-Berens-Straße und Maria-Kahle-Straße. „Wir haben die 127 Anwohner der Straßen und ihre Eigentümer angeschrieben. Von 92 Rückmeldungen haben sich 62 gegen eine Umbenennung ausgesprochen, 14 enthalten und neun waren für eine Umbenennung. Jedem Schreiben haben wir eine Abhandlung über das Leben und die Werke der beiden Frauen sowie den Entscheid anderer Kommunen, die Straßen umzubenennen, beigelegt.“
Aloys Weber ging auf die kommenden Bauarbeiten am Radweg entlang des Obergrabens ein. Da dieser undicht ist, wird es im Sommer ab der historischen Brücke auf der Hälfte der Strecke zwischen Grevenbrück und Bamenohl zu Bauarbeiten kommen. „Der Radweg soll offen bleiben. Allerdings kann es zu Behinderungen kommen.“ Auch der Radweg, kombiniert mit dem Hochwasserschutz entlang der Lenne auf Höhe des Hagebau bis zur Rückseite von Thyssen, wurde erläutert. In diesem Zug soll am alten Sportplatz eine Lenneaue mit einem Ausgleichsbecken entstehen.

2013-02-01 Der Florian ist nicht nur der höchste Turm Dortmunds — er ist auch das Wahrzeichen der Stadt

 

Auf die Spitze getrieben

Der Florian ist nicht nur der höchste Turm Dortmunds — er ist auch das

Wahrzeichen der Stadt. Aber wie funktioniert der Fernsehturm?

Von Katrin Figge

Dortmund. Eigentlich sollte der Florian nur eine Aussichtsplattform werden, von der man das komplette Gelände der Bundesgartenschau 1959 überblicken konnte. Aber es kam anders: Zufällig brauchte die Bundespost (Telekom) einen mindestens 150 Meter hohen Ort für einen Funkmasten. So kam es zum damals höchsten Turm Deutschlands — dem Florian.
Heute rangiert der Fernsehturm nur noch auf Platz 14 der deutschen Türme. Aber immerhin: Inklusive Antenne ist der Florian knapp 209 Meter hoch — und damit höher als alle anderen Gebäude der Stadt. Die Spitze liegt mit 338 Metern über dem Meeresspiegel deutlich höher als Dortmunds höchster Punkt in Syburg (Klusenberg, 245 Meter üNN). Deshalb kann’s oben auch mal schneien, wenn’s unten regnet.
Seit dem Neubau ist der Florian allerdings von 220 auf 209 Meter geschrumpft: Anfangs stand auf dem rot-weißen Antennen-Zylinder noch eine silberne Stabantenne. Die wurde später überflüssig.
- 8 bis 4 Meter Bodenplatte – Der Florianturm steht auf einer riesigen Platte aus Beton. Das Fundament ist 2,50 dick und hat einen Durchmesser von 25 Metern. Der Turm in der Mitte hat nur einen Durchmesser von gut 12 Metern. Minus 8 Meter — Schachtgrube: Tiefer geht’s nicht — hier gibt es nur noch Beton. Bis vor ein paar Jahren durfte das Restaurant in einem kleinen Kühlraum ein paar Stufen über der Bodenplatte noch seine besten Weine lagern, aber das geht heute aus hygienerechtlichen Gründen nicht mehr.
Im strengen Winter 2009/10 stand der Keller metertief unter Wasser: Wasserrohrbuch in 120 Metern Höhe. Eine Leitung der Sprinkleranlage war geborsten. Minus 3 Meter — Wasserversorgung: Der normale Wasserdruck von höchstens 4 bar im öffentlichen Netz der DEW reicht zwar aus, um Wasser in ein Mehrfamilienhaus zu drücken. Aber bis zum Restaurant auf 137 Meter wird es schwierig. Deshalb ist der Florian mit einer Druckverstärkung von 22 bar ausgestattet. Die Sprinkleranlage wird von einem Nebengebäude aus gesteuert. Falls es mal brennt, sind dort in einem großen Reservoir 84 000 Liter Wasser gespeichert. Zwei Pumpen drücken das Löschwasser notfalls hoch in die Leitungen. Die Heizung ist auch in einem Nebengebäude untergebracht 0 Meter – Hier gibt’s nicht nur Ein- und Ausgang, Tickethäuschen und Aufzüge, sondern auch einen kleinen Technikraum. Hier hängt seit ein paar Monaten ein kleiner, aber wirkungsvoller Kasten mit Touchscreen. Techniker Detlef Woltmann kann von hier aus mit einem „Fingerzeig“ das Licht ausmachen, die Aufzüge bremsen oder die Restaurantdrehung drosseln.
Die beiden Aufzüge können eine Last von 1200 Kilo tragen, also etwa 16 Personen. Insgesamt hat der Aufzug sieben Haltestellen, von denen aber nur drei für Besucher nutzbar sind. 4 Meter — Technik: Von hier aus wird der Turm quasi am Leben gehalten. Nur die Stromversorgung des Cafés im Erdgeschoss läuft nicht über diesen Raum. Falls der Strom einmal ausfällt, übernimmt ein altes Schätzchen die Stromversorgung: In einem Nebengebäude steht ein Diesel-Generator, Baujahr 1959. Wenn der goldene Koloss anspringt, ist die Beleuchtung im Turm für kurze Zeit gesichert, damit Gäste von oben gefahrlos die Treppen heruntergeleitet werden können. Im Notfall schafft der Generator mit seinen 415 PS auch den Betrieb eines Aufzugs.

37 bis 97 Meter 37 Meter — Die rote „Hindernisbefeuerung“ (Warnleuchten) leuchtet auf fünf verschiedenen Höhen — auf 37, 67, 97, 146 und 190 Metern. Die unteren drei Reihen bestehen aus je sechs Leuchten, die in den Beton eingelassen sind. Mit einem Griff können die Fassungen von innen herausgedreht werden, um die LEDs zu wechseln. Im Gegensatz zu den Warnleuchten weiter oben blinken die unteren nicht, sondern leuchten ständig. Treppenhaus: Das Treppenhaus des Turms ist durch eine 130 Meter hohe Wand vom Aufzugschacht getrennt. Das hat Brandschutz-Gründe. Ende der 90er war die Mauer eingezogen worden — nach dem katastrophalen Feuer im Flughafen Düsseldorf. Alle paar Meter hängt ein Rauchmelder. Eine Sprinkleranlage gibt’s natürlich auch. Zudem kann das Treppenhaus mit einem Lüfter rauchfrei geblasen werden, um die Besucher sicher nach unten zu geleiten. Dennoch gilt: Wenn’s oben brennt, sollten Besucher auf die Aussichtsplattform flüchten und auf die Feuerwehr warten. 67 Meter — 2. Warnleuchten-Reihe 80 Meter — Außentüren: Die „Türen ins Nichts“ sind seit ein paar Jahren von innen versiegelt. Man sieht sie zwar noch von außen wie von innen, kann sie aber nicht mehr öffnen. Früher hing hier das alte „h“-Symbol von Hoesch, über dem der Techniker hin und wieder die Neonröhren austauschen musste. Jetzt werden die Türen nicht mehr gebraucht. 97 Meter — 3. Warnleuchten-Reihe.

133 bis 145 Meter 133 Meter — Die Küche hat ihr eigenes kleines Aufzugssystem — einen Mini-Aufzug mit Warmhalteplatte für Essen, einer fürs dreckige Geschirr. Das Restaurant liegt schließlich ein Stockwerk drüber. Eine Verbindungstreppe gibt’s auch. 137 Meter — Restaurant: Dass es im Florianturm ein Restaurant gibt ist kein Geheimnis. Aber kaum einer kennt die Kurbel. Auf der Restaurant-Eben liegt nämlich auch das Getriebe der drehbaren Plattform — und die lässt sich im Notfall auch per Handkurbel drehen. Für ein paar Zentimeter braucht es allerdings zig Umdrehungen. 142 Meter — große Aussichtsplattform: Über dem Restaurant können Besucher die Fernsicht genießen. Bei einigermaßen guter Sicht ist hinter den Stadien von BVB und VfL auch die Arena auf Schalke zu erkennen. Die Essener Skyline sieht man natürlich auch, ebenso wie die Berge von Sauerland und Bergischem Land. 145 Meter — kleine Aussichtsplattform: Von der großen Plattform führt eine Treppe hinauf zur kleineren. Über den Köpfen der Besucher hängt die 4. Warnleuchten-Reihe. Die vier Doppelscheinwerfer sind mit blinkenden LEDs ausgestattet.
152 bis 173 Meter 152 Meter — Technikraum: Dieser Raum ist für Turmbetreiber „Media Broadcast“ am allerwichtigsten. Hier wird im Schaltschrank die komplette Fernmeldetechnik des Turms gesteuert. Hier ist die letzte Station des Aufzugs. Auch die Treppen sind hier fast zu Ende. Ein paar Stufen geht es noch nach oben, dann geht’s nur mit Leitern weiter. 159 Meter — Aufzugtechnik: Hier laufen die Fäden zusammen, sozusagen. Der Raum ist den zwei Motoren vorbehalten, die die Aufzüge mit etwa 40 PS bewegen. Jede Kabine ist mit 5 Stahlseilen gesichert. 163 Meter — Hier beginnt das Reich der Strahlen. Wenn die Sender am Netz sind ist diese Plattform der letzte zugängliche Ort — weiter oben wird’s körperlich gefährlich. Zwar nicht so gefährlich wie in einer Mikrowelle, aber immerhin herrscht weiter oben eine Abstrahlleistung hochfrequenter Strahlung von 50.000 Watt. Nur einmal im Frühjahr werden die Sender zur Wartung für eine Stunde abgestellt. 173 Meter — Am etwa 16 Meter hohen Gittermasten sind Richtfunkantennen angebracht. Am Ende des Masts, an einer kleinen Plattform, ist auch die 5. und damit höchste Warnleuchten-Reihe montiert.
189 bis 209 Meter 189 Meter — Der etwa 20 Meter hohe rot-weiße Zylinder aus Kunststoff dient nur als Wetterschutz für die Antennen von DAB+ und DVB-T. Aber auch Gegengewichte (so genannte Schwingungstilger) sind darin untergebracht, die das Pendeln der Turmspitze ein wenig ausgleichen. 209 Meter — Wer die Leiter im Antennenzylinder bis ganz nach oben steigt, gelangt an eine Luke und kann von dort aufs Dach des Florianturm steigen. Um die kleine rote Plattform herum sichert ein Krähennest (Eisenstangen in Nestform) den Kletterer ab. 2004 sind Zylinder und Krähennest ersetzt worden. Turmtechniker Woltmann hat eine Eisenstange aufgehoben und unten an die Wand gehängt. Das Eisen ist übersät mit großen Macken, an denen der Lack abgeplatzt und ein bisschen Metall abgesplittert ist. Blitzeinschläge auf dem Dach Dortmunds...

Das sind die baulichen Daten des Florian:

 
Über 900 Stufen – und
unten zwölf Meter dick
Höhe: 209 Meter
Gewicht: 7700 Tonnen
Stufen inkl. Leitern: über 900
Fundament/Durchmesser: 25 Meter
Fundament/Dicke: 2,5 Meter
Durchmesser unten: 12 Meter
Wandstärke unten: 85 Zentimeter – nach oben hin schlanker und dünnwandiger
Betreiber: Telekom-Tochter „Deutsche Funkmast GmbH“



Der Turm im Wandel

der Zeit 

Nachdem 2006 einige Betonstücke aus der Fassade unterhalb der Restaurantplattform gebrochen waren, wurde der Florian abgesperrt und repariert.
2009 setzte ein Wasserrohrbruch den Turm außer Gefecht.
2011 folgte die Komplett-Sanierung der Beton-Fassade — dafür wurde der Turm fast ein Jahr lang geschlossen.
Anfang 2013 wurden zudem neue Aufzüge eingebaut, was wiederum mit einer mehrmonatigen Sperrung verbunden war.
In der Zwischenzeit gab es auch einen Pächterwechsel oben im Turm-Restaurant.

(Quelle WR vom 1.2.2014)